RB Leipzig – Ein Verein der Gegensätze

SOCCER - 2.DFL, RB Leipzig vs Karlsruhe
Photo: GEPA pictures

Sieben Jahre nach der Übernahme des Startrechts des SSV Markranstädt hat RB Leizpzig den Aufstieg in die Fußball-Bundesliga geschafft! Herzlichen Glückwunsch und Chapeau! Der Red Bull-Verein hat damit eine der wichtigsten Etappen seiner Strategie erfolgreich bewältigt und strebt nun nach den höchsten Weihen – dem Titel. Was für ein Verein ist denn Rasenballsport Leipzig – dieser Club, der aktuell Fußball-Fans in ganz Deutschland polarisiert?

Gegensätze in vielen Bereichen

RB Leipzig ist irgendwie voller Gegensätze. Es ist ein Verein, arbeitet aber mit Strukturen, die jegliche Mitbestimmung von Fans bzw. Mitgliedern verhindert. Die Geschicke werden strikt nach dem Willen von Dietrich Mateschitz und Ralf Rangnick bestimmt. Mitglieder oder Mitarbeiter, die anders denken, als diese beiden, werden quasi kaltgestellt.

RedBull Leipzig rühmt sich damit, viel für die Region zu tun und den Profi-Fußball in Ostdeutschland wiederbelebt zu haben. Das stimmt zum Teil auch – der Zuschauerschnitt in Leipzig war in der abgelaufenen Saison der zweithöchste der 2. Liga. Ganz Leipzig und Umgebung freut sich, endlich wieder Profi-Fußball erleben zu dürfen. Der Verein sichtet Schüler und Jugendliche und unterstützt regionale Vereine bei der Förderung neuer Talente. Gleichwohl steht mit Ersatztorwart Benjamin Bellot nur ein Spieler aus der Region im Profi-Kader. Somit endet die Förderung regionaler Talente spätestens beim Profi-Status.

Es gibt auch nur wenige Sponsoren aus Leipzig, die an dem Aufschwung teilhaben können oder wollen. RB Leipzig ruft hohe Preise für Sponsorenrechte auf, mehr als manch anderer etablierter Bundesligist. Das schreckt viele regionale Mittelständler oder Kleinunternehmen ab. Man kann sich durch die RedBull-Gelder seine Sponsoren genau aussuchen und dabei ist die Leipziger Wirtschaft nicht unbedingt der Lieblingsplatz des Vereins.

RB Leipzig ist ein Projekt, kein Verein

Die Identifikation mit Leipzig ist also begrenzt, und genau darin liegt die Ursache der ganzen Kritik und Skepsis gegenüber dem „Projekt“ RB Leipzig. Es ist ein Projekt, das auf Wunsch von Didi Mateschitz entstanden ist, am Reißbrett geplant wurde und nach seinem Gusto geführt wird. Der Multi-Milliardär ist Fußball-Fan und erfolgsverwöhnt. Mit seinem Formel 1-Team hat er vier WM-Titel geholt. Als es sportlich plötzlich nicht mehr lief, drohte er schon nach wenigen Monaten mit dem Ausstieg aus der Königsklasse. Er möchte nicht nur dabei sein, das sei nicht sein Anspruch. Grundsätzliche eine legitime Denkweise. Aber genau diese Aussagen und Possen wie kürzlich um seinen TV-Sender Servus TV machen RB Leipzig zum Hassobjekt vieler Fans und Fußballromantiker. Man hat den Eindruck, dass Mateschitz ganz schnell die Lust an seinen Projekten verliert, wenn es nicht nach seinem Geschmack läuft. Und das befürchtet man auch bei RB Leipzig. Abgesehen von der „fehlenden Tradition“ und kaum gewachsenen und emotionalen (Fan-)strukturen hat man den Eindruck, dass die Leidenschaft fehlt. Auch wenn Mateschitz und Rangnick mit seinen Mitarbeitern leidenschaftlich arbeiten, bekommt man den Eindruck, dass es hauptsächlich darum geht, den RedBull-Gründer zufrieden zu stellen – nicht die Fans, nicht die Stadt, nicht die Region. Es geht nur um Erfolg und Titel. Emotionen, Fanbindung, Vereinsleben, Gemeinschaft, etc. spielen eher eine untergeordnete Rolle.

Der Image-Gegensatz

Hinzu kommt, dass die Marke RB Leipzig unstimmig ist. Red Bull ist eine Energydrink-Marke, die seit jeher auf Action, Spaß, Party, Aufregung und Extreme setzt und sich in diesen Welten präsentiert. Fußball ist eher bieder und normal. Ob jung oder alt, arm oder reich, gebildet und ungebildet; Fußball ist mittlerweile zum Familienevent für jedermann geworden. Das passt eigentlich gar nicht zur Marke Red Bull.

Dabei könnte man diese Red Bull-Werte trotzdem mit RB Leipzig verknüpfen. Die Grundelemente sind auch im Fußball vorhanden oder können dort etabliert werden. Der Verein müsste dazu aber entsprechende Maßnahmen einleiten. Ein Imagekampagne, die die Action auf dem Platz und die Spannung der Spiele markentypisch in Szene setzt. Man könnte am Spieltag Partyelemente und Actionsport-Module (z.B. Fußbaltennis, Beachsoccer-Plätze, Konzerte, etc.) aufbauen und den Fans die Markenwelt von Red Bull präsentieren.

Dazu braucht der Verein Gesichter, die Sympathien wecken. Klaus Allofs hat diese Funktion beim „Plastikklub“ VfL Wolfsburg übernommen und somit zarte Sympathien für den Verein geweckt. Ralf Rangnick ist nicht dazu geboren, die Sympathien für RB Leipzig auszubauen. Er ist ein respektierter „Fußball-Professor“, kein Menschenfänger.

Man wird sehen, wie sich der Verein entwickelt. Ich glaube, dass intelligente Kommunikations- und Werbemaßnahmen helfen können, zumindest ein paar Sympathien in Deutschland zu gewinnen. Dafür muss sich der Verein aber zuerst genauer definieren, positionieren und authentischer werden. Aber ich weiß natürlich nicht, ob das nach Didi Matschitz‘ Gusto ist….

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3 Kommentare Gib deinen ab

  1. Endlich mal jemand, der sich ganz sachlich mit diesem Thema auseinandersetzen kann. Danke dafür! Ich dachte schon, das sei gar nicht mehr möglich.

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  2. Ich schließe mich Ball-Küsst-Rasen voll und ganz an. Ich respektiere RBL, habe Respekt vor ihrer Leistung und Entwicklung und finde das Projekt auch interessant und gut. Trotzdem verstehe ich natürlich jene Fußballromantiker und Kritiker von RBL, jedoch nur auf sachlicher Ebene – gelungener und lesenswerter Artikel.

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