Wie Sponsoren für Chancengleichheit bei Olympia sorgen können

Die olympischen Spiele von Rio sind in vollem Gange, aber die Nachrichtenlage rund um das größte Sportevent der Welt dreht sich weniger um die sportlichen Erfolge. Vielmehr überwiegen Negativschlagzeilen um Doping und Milliardenausgaben der überschuldeten Ausrichterstaaten oder über die schlechte Organisation der Wettbewerbe. In Deutschland entbrennt gerade eine grundsätzlichere Diskussion: Welchen Wert hat die Olympische Idee und wie wichtig ist Olympia noch für Deutschland?

Olympia ist Teil des globalen Sportbusiness wie jedes andere Event auch. Daher geht es auch um viel Geld. Olympia konnte sich aber lange damit brüsten, dass hier auch Sportler antreten können, die nicht unbedingt hochbezahlt Profis sind. Sportler aus allen Ländern können teilnehmen, sofern sie eine sportliche Mindestnorm erfüllen. Damit bekommt jeder die Chance auf eine Medaille und es gab auch immer wieder Überraschungen von Underdogs.

In Deutschland ist die Erwartungshaltung an die Olympiamannschaft relativ hoch. Man erwartet von einer Sport- und Industrienation einen der vorderen Plätze im Medaillenspiegel. In Rio steht der DOSB noch nicht unter den ersten fünf und es ist fraglich, ob die deutsche Mannschaft diesen Rang noch schafft. In London 2012 wurde man am Ende Sechster, dieses Jahr wird man vielleicht weiter hinten liegen. Es macht sich eine erste Enttäuschung breit und die Sportler machen ihrem lange aufgestauten Ärger Luft. Über den ungleich intensiv geführten Dopingkampf in Deutschland und anderen Ländern, über die fehlende Unterstützung der DOSB- und IOC-Spitze und über Benachteiligungen bei der medialen Aufmerksamkeit gegenüber dem Fußball.

Warum Fußball beliebter ist als ein 100-Meter-Sprint

Und sie haben Recht. Auch ich bin ein Fußball-Fan, arbeite in diesem Umfeld und habe viel Spaß an vielen Dingen rund um den Fußball. Der Fußball hat eine Sonderstellung in Deutschland und Europa und nimmt den anderen Sportarten die Aufmerksamkeit. Die Gründe sind vielfältig: Fußball ist so beliebt, weil es jeder spielen kann und zwar auf jedem kleinsten Parkplatz. Das Wesen des Fußballs gibt Kindern und Erwachsenen die Möglichkeit, nur zu zweit oder in ganzen Mannschaften zu spielen. Und Fußball ist nicht nur ein Sport, sondern für jedermann vor allem ein Spiel mit einem Ball. Kinder und Erwachsene können somit jeden Tag die Tricks ihrer Stars nachspielen. Ein 100-Meter-Sprint oder ein Diskuswurf ist kein Spiel, sondern ein Wettbewerb. Gegen die Zeit. Gegen die Schwerkraft oder gegen sich selbst. Das ist der Nachteil der Leichtathletik oder des Schwimmens. Diesen Sportarten fehlt die Leichtigkeit, sie als lockeren Freizeitspaß überall ausüben zu können.

Mehr Unterstützung für andere Sportarten

Wie kann es trotzdem gelingen, diesen Sportlern mehr Unterstützung, Aufmerksamkeit und Respekt zukommen zu lassen? Gerade die meisten Olympioniken können von ihrem Sport nicht leben, müssen aber viel Zeit für ihr Training aufbringen. Die Bundeswehr ist der wichtigste und größte Arbeitgeber für die Sportler. Aber dass Handball-Manager Bob Hanning die Bundesverteidigungsministerin für ihr fernbleiben bei den Spiele kritisiert, ist verständlich. Man erwartet Topleistungen und bei Erfolgen sonnt sich die Bundeswehr im Glanz der Medaillen, aber vor Ort hilft den Athleten von Seiten der Bundesregierung niemand. Auch das kann eine Zeichen der Wertschätzung sein, wenn auch kein positives.

Die Medien konzentrieren sich immer stärker auf den Fußball (und sei es auch ein noch so unwichtiges Testspiel der Reservemannschaft), also müssen andere Lösungen her.

Screenshot Sportdeutschland TV
Screenshot: Sportdeutschland.tv

 

Mit Sportdeutschland.tv hat man einen ersten guten Schritt seitens des DOSB gewagt. Hier werden über die verbandseigene Web-TV-Plattform spannende Wettbewerbe  und Spiele der anderen Sportarten gestreamt. Somit erhalten die Sportler Medienpräsenz und Aufmerksamkeit – allerdings noch im überschaubaren Rahmen.

Sponsoren sind wichtiger Baustein einer Sportkarriere

Ich glaube, dass den Sponsoren hier eine viel größere Bedeutung zukommen muss. Sie zahlen viel Geld für Partnerschaft mit dem DOSB oder IOC, aber wie viel kommt davon bei den Sportlern an? Die meisten Sportler, die das Training mit einem normalen Beruf vereinbaren müssen und zusätzlich Reise- und Trainingskosten aufwenden müssen, erhalten zu wenig Förderung aus den großen Töpfen. Mir ist nicht bekannt, ob die deutschen Dependancen der IOC-Sponsoren Samsung, Toyota oder Visa die Sportler in Deutschland direkt unterstützen. Man hört zumindest nichts dergleichen. DOSB-Sponsor DerTour organisiert die Reisen der Olympioniken, aber auch die Reisen zu kleineren Wettkämpfen? Und wie hoch sind die Rabatte für die Sportler? Vornehmlich liegt der Fokus der DerTour-Partnerschaft auf dem Verkauf von Tickets und Reisepaketen für Fans. Audi präsentiert sich auf hauptsächlich während der Spiele im Rahmen des DOSB. Aber erhalten die Sportler auch zwischen den Olympia-Jahren Autos kostenfrei, um zu den Wettkämpfen zu fahren? Wie sieht also die konkrete Unterstützung der Sportler aus? Gerade solche Sachleistungen sind wichtig für die Sportler.

Sportarten als fester Bestandteil der Markenwelt

Viele Marken und Unternehmen pumpen unglaublich viel Geld in den Fußball, um als Partner in der 3. Bandenreihe präsent zu sein. Warum nutzt man nicht zumindest einen Teil davon, um andere Sportevents zu übertragen, Sportler zu unterstützen und ihnen Präsenz, Anerkennung  und Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit zu verschaffen. Warum baut man diese Sportarten nicht als Teil der eigenen Markenwelt auf? Während man in der Fußball-Bundesliga mit 700 anderen Marken um ein bisschen TV-Sichtbarkeit kämpft, könnte eine Marke anderen Sportarten wie Leichtathletik, Hockey oder Beachvolleyball eine Plattform in der eigenen Markenwelt geben. Warum streamen Sponsoren nicht Sportevents aus dem eigenen Sponsoringpool auf der eigenen Facebookseite? Wenn die alt-eingesessenen Medien keine Präsenz schaffen, bieten die heutigen Technologien den Sponsoren doch ausreichend Möglichkeiten, die Rechte selbst zu nutzen. Die Rechte an Olympia werden eventuell zu teuer sein, aber die Rechte an den Wettkämpfen zur Olympia-Qualifikation sind meist erschweinglich. Außerdem können DOSB- oder Olympiasponsoren auch Ihre Partnerrechte nutzen oder ausweiten. Einige wenige Unternehmen versuchen das. Die Sparkasse hat zum Beispiel mit dem Fanreporter einen ersten Versuch unternommen.

Um die breite Masse zu erreichen, bedarf es aber auch nach den Spielen noch größerer Anstrengungen, Investitionen und Partnerschaften mit den großen Medien (z.B. als Sonderwerbeform in TV-Sendungen). Leider haben aber nicht alle Partner die (finanzielle) Kraft, Struktur oder Kreativität, in dieser Form die breite Öffentlichkeit zu erreichen.

Schaffung der Chancengleichheit als Imagefaktor für Sponsoren

Es wäre aus meiner Sicht ein großer Gewinn für Sponsoren und Sportler, wenn sie die Sportler direkt, ausreichend und nachhaltig mit Geld- oder Sachleistungen oder aktiven Maßnahmen unterstützen. Mit der Hilfe der Unternehmen können die Sportler sich mit den besten der Welt messen. Denn nur mit entsprechender Förderung erhalten die deutschen Athleten Chancengleichheit mit Sportlern aus China, Russland, oder den USA. Nur dann kann man auch wieder Topleistungen und Medaillen erwarten. Und wenn das gelingt, können sich die Sponsoren auch richtig und glaubwürdig als Förderer des Sports feiern lassen.

Ideen gibt es genug, es muss der Mut und Wille bei den großen Sponsoren da sein.

Bilder: IOC

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