Gazprom/FC Schalke 04

Im Mai 2016 gaben der FC Schalke o4 und der s04-Gazpromrussische Gasgigant Gazprom die Verlängerung ihrer Partnerschaft bekannt. Somit bleibt Gazprom bis 2022 Haupt- und Trikotsponsor der Königsblauen und überweist geschätzt über 20 Millionen Euro pro Saison. Das ist ein schöner Betrag für die Schalker, die damit ihre Verbindlichkeiten weiter abbauen können und in die Zukunft des Vereins und der Mannschaft investieren dürfen.

B2B-Marke mit B2C-Zielgruppenmarketing!?

Dennoch stellt sich ein wenig die Frage, was Gazprom mit diesem hohen Investment bezweckt. Gazprom beliefert Deutschland und Europa mit russischem  Gas, das in Häusern, Autos und anderen Energienutzern verwendet wird. Damit erfüllt der Konzern eine ernom wichtige Aufgabe, da man hier bekanntlich wenig Gasressourcen hat. Gazprom ist aber ein reiner B2B-Unternehmen. Endkunden können ihr Gas oder Erdgas nicht direkt bei Gazprom beziehen.

Obwohl die Fans des FC Schalke keine direkten Gazprom-Kunden werden können, aktiviert der Gasanbieter die Sponsoringrechte auf vielfältige Weise im B2C-Bereich. Dabei scheint der klassische Imagewinn als Hauptziel ausgegeben zu haben. Neben der üblichen großen Logopräsenz aktiviert Gazprom diverse Marketingtools und Aktionen, die über www.Gazprom-Football.com kanalisiert und kommuniziert werden. Die Fans finden dort unterschiedliche Möglichkeiten, Tickets für die Heimspiele zu gewinnen. eine sehr nette und durchdachte Aktion ist die Kumpelkarte.

Hier können die Fans sich über Spiele, Quizfragen und Competitions im Stadion für ein Doppel-Ticket bewerben, das für einen bestimmten Zeitraum gültig ist und 2 Personen. Das Paket umfast auch VIP-Auswärtsreisen bei Europacup-Spielen. Am Ende des Gültigkeitszeitraums muss sich der Inhaber über eine neue Competition („Schichtbeginn“/“Schichtwechsel“) gegen neue Herausforderer beweisen. Wenn er verliert, muss er die Kumpelkarte abtreten. Bei jeder Competition machen auch 1-2 Profi-Spieler mit. Die Aktion ist mal eine andere Art des Gewinnspiels, dass den „Kumpel“-Gedanken der Vereins-DNA aufnimmt und einen emotionalen, hochwertigen Gewinn enthält.

Mit anderen Quizspielen („Kopfnuss“) können die Fans auch VIP-Tickets für ein Heimspiel gewinnen, die bei jedem Heimspiel neu angesetzt werden.

Charity als ein Schwerpunkt

Gazprom wendet auch viel Kraft des Engagements für Benefizaktionen auf.  Das hilft natürlich, um dem Image des kalten, russischen Energieriesen entegegen zu wirken. Aber es macht tatsächlich einen recht guten Eindruck, was Gazprom auf der Fußball-Website präsentiert. Pro Jahr werden 1-2 Benefizspiele des FC Schalke gegen namhafte Gegner organsiiert, um Einnahmen für Anti-Gewalt-Projekte im Fußball zu generieren. Damit hilft man Vereinen und Fanprojekten, die in Gewaltbrennpunkten arbeiten und zu wenig Budget haben, um Aktionen gegen Gewalt nachhaltig zu betreiben. Dazu gehören z.B. Fanhäuser oder präventive Arbeit an Schulen in Rostock, Braunschweig, Berlin oder Dresden.

Zudem können sich Veranstalter von Schul- und Vereinsfesten oder anderen öffentlichen Veranstaltungen für ein Event-Paket von Schalke und Gazprom bewerben. Eine Jury aus Sponsor- und Vereinsmitarbeitern sucht Events aus, die unterstützt werden und Torwand-Speed-Control und Schalke-Fanartikel gestellt bekommen.

Ein jährlicher Pokalwettbewerb, bei dem Fan-Mannschaften teilnehmen können rundet das Sponsorship ab.

Politik wird umgangen

Während man mit oben genannten Aktionen das Image aufpoliert und das Wohlwollen der Fans gewinnt, umgeht man politische Querelen komplett. Schwierige politische Siutationen zwischen Russland, Deutschland und der EU werden beiderseitig ignoriert. Weder Schalke-Verantwortlich äußern sich kritische gegenüber Russland und Putin noch äußern sich Gazprom-Manager kritisch über manch chaotische Situationen bei Schalke. Gerade zu Hochzeiten der Ukraine-Krise wurde Club-Boss Tönnies dafür kritisiert.

Das Thema Politik und Sport ist oft eng miteinander verwoben und dennoch möchte der Sport gerne unpolitisch bleiben. Das ist nicht immer einfach. Aber in diesen Zeiten zeigt sich auch eine hohe Loaylität zwischen Sponsor und Club. Das muss nichts Schlechtes sein. Lässt man mal die Regierungsnähe von Gazprom außer Acht, ist das für ein Sponsorship sehr wohltuend und zielführend.

Fazit

Auch wenn die Ziele von Gazprom als B2B-Konzern von außen schwer zu beurteilen oder zu bewerten sind, macht der Sponsor seine Sache ganz gut. Er aktiviert die Rechte auch über reine Logopräsenz hinaus und bindet die Fans mit ein. Er bietet den Fans Mehrwerte (Tickets, Benefizaktionen, Website, etc.) und spricht sie auf emotionale, clubspezifische Art an. Das würde man sich bei vielen anderen Sponsorships wünschen.

Bildrechte: Gazprom (Gazprom-Football.com), facebook.com/koenigsblauerplanet

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